Hallo ihr Lieben,

es wird mal wieder Zeit für eine Rezension auf meinem Blog! Wie ihr wisst, ich lese leider sehr wenig und sehr selten, noch seltener schreibe ich eine Rezension. Aber gerade bei Selfpublishern oder bei Büchern, wo wirklich Redebedarf herrscht (positiv wie negativ) finde ich es noch wichtiger, eine zu schreiben. Achtung: Die Rezi ist 2400 Wörter lang.

Warnung: Diese Rezension enthält massive Spoiler, insbesondere zur Liebesgeschichte im Buch oder ganz speziellen Szenen! Lest diese Rezi also nur, wenn ihr das Buch schon gelesen habt.

Hier verweise ich euch direkt mal auf den Amazon-Link des Buches:

*klick hier*

Inhaltlich liefert der Klappentext schon einen guten Überblick:

Er vergewisserte sich, dass uns niemand zuhören konnte. Dann stellte er mir völlig unvermittelt diese eine Frage:
„Was weißt du über die Raben?“
Ein Austauschjahr führt Kiki Winter in die USA nach Little Leavestown. Aggressive Raben, unheimlicher Nebel und unerklärliche Ereignisse kreuzen dort ihren Weg.
Etwas scheint mit diesem Ort nicht zu stimmen.
Gemeinsam mit Henry Summer, einem Jungen aus der Nachbarschaft, versucht sie, die mysteriösen Geschehnisse zu entschlüsseln.
Doch auch Henry scheint einige Geheimnisse zu verbergen.
Zu spät erkennen beide, in welcher Gefahr sie sich bereits befinden. Dabei werden sie bis an die Grenzen ihres Verstandes geführt, nachdem nichts mehr so ist, wie es einmal war.

(Quelle: Amazon)

Ich werde Schritt für Schritt verschiedene Dinge beleuchten, die ich für wichtig erachte, insbesondere manche Charaktere bereiteten mir Kopfschmerzen, während ich andere am liebsten aus dem Buch rausgeschnitten und ein eigenes Spin-off gegeben hätte 😉

Cover

Das Cover ist ein Traum! Wirklich, ich liebe es. Es ist fast schon schlicht, bringt aber dennoch das Wichtigste auf den Punkt und passt perfekt zum Inhalt des Buches. Außerdem verdeutlicht es ein verdammt gutes Marketingskonzept. Zu dem Buch wurden auf den Buchmessen beispielsweise Tüten verteilt mit Goodies, Postkarten, Lesezeichen oder meine Schwester erhielt Buchpost mit einer passenden Kerze(!). Das stelle ich mir unglaublich aufwendig und teuer vor, aber gleichzeitig finde ich solch ein groß angelegtes Marketing echt wichtig und gut, und nun ja, jeder mag Goodies, oder? Aber es war wie gesagt alles vom Design her perfekt aufeinander abgestimmt. Ich bin jetzt schon gespannt auf Teil 2. Allerdings hätte meiner Meinung nach der englische Titel nicht sein müssen. Er klingt wunderschön und das Setting ist auch Amerika, aber dennoch ist die Geschichte ja auf Deutsch.

Plot

Plottechnisch hatte ich nicht so viel zu meckern. Mich hat das Buch wirklich mitgerissen, ich habe gelacht und geweint, habe mich aufgeregt oder wurde wahnsinnig, jede Emotion war vertreten. Tatsächlich gab es auch Stellen, die sich gezogen hatten, aber das lag meiner Meinung nach eher an den Charakteren, die ich nicht mochte oder deren Handlungen ich nicht nachvollziehen konnte, dazu dann später mehr. Dennoch würde ich manche Beschreibungen oder auch Handlungen als Holz-Hammer- Methode beschreiben. Denn die Geschichte enthält auch eine Liebesgeschichte, die an sich in einem guten Tempo aufgebaut ist. Aber das die beiden nun das Traumpaar des Buches sein werden/sind, dass der besagte Love Interest der perfekte Freund ist etc. wird ab und an für mich persönlich zu platt dargestellt. Also vielleicht kennt ihr das von Serien, wenn es ein neues Ship gibt und jeder macht offensichtliche Andeutungen, damit auch ja jeder weiß, dass das nun so ist. Zum Beispiel wird im Buch häufig deutlich gemacht, das es sich nur mit „ihm“ richtig angefühlt hat zu tanzen und damit eindeutig den Moment für ein astreines Love Triangel verpasst. (ich meine damit die Szene beim Tanzen gegen Ende des Buches). Oder auch die erste Begegnung von Kiki und ihrem Love Interest schreit Love Interest mit roten blinkenden Pfeilen. Es gibt Andeutungen, dass es zwischen Ihnen gefunkt hat (wenn gleich auch ein witziger Wortwitz :D), sie ist sowieso total hin und weg von seinem Aussehen, seiner Art usw.

Versteht mich nicht falsch, an sich ist das nicht verkehrt, aber wie gesagt manche Dinge wurden einfach häufig nochmal ganz klar dargestellt, damit der Leser auch wirklich wusste, was indirekt bereits gesagt wurde. Aber da ich kein Fan von besagtem Love Interest war, bin ich da vermutlich auch nicht ganz objektiv. Auch muss ich sagen, dass mir insbesondere manche Begegnungen bzw. herbeigeführte Begegnungen zwischen der Prota und dem Love Interest dann doch zu konstruiert waren, zu offensichtlich. Ich nenne hier nur Stichworte wie die Karaoke Bar, Zusammenstoß im Wald, Unfälle etc. Oder aber, als Kiki den Unfall hat fragt Selena, ob sie mitgehen soll, das ist die Freundin von Kiki, und die Lehrerin sagt nein, das sei nicht nötig. Keine fünf Minuten später geht die Lehrerin mit Kiki am Arm an Henry vorbei und sagt direkt als erstes: hilf mir mal, ich schaff das nicht alleine. Das hat in mir wieder den Reflex des Augenrollens hervorgebracht, denn es war einfach typisch, um jetzt den Love Interest in die Helferrolle für Kiki zu bringen. Aber z. B. der Karaoke Zufall oder auch der Zusammenprall im Wald fand ich noch schlimmer, dann noch unrealistischer. Klar, natürlich kann es Zufälle geben und ich würde behaupten, gerade in Romanen oder in Teilen von Liebesgeschichten sind sie durchaus gängig und vollkommen okay, aber wenn man wie gesagt so wie ich den love Interest nicht leiden kann, fällt es schwer, das nicht in dem Sinne zu betrachten. Oder auch als Kiki einmal einen Unfall hat. Dreimal dürft ihr raten, wer rein ganz zufällig in der Nähe war und als Erstes zu helfen 😉 (Natürlich hat dies auch teilweise seine gut erklärten Gründe durch den Charakter, aber nichtsdestotrotz hätte ich mir noch mehr normale Begegnungen zwischen Kiki und dem Love Interest gewünscht und vor allem nicht nur des Öfteren durch einen Unfall, Verletzung etc.)

Schreibstil

Ich lese bei einem Buch immer die erste Seite, um zu entscheiden, ob ich ein Buch weiterlese oder nicht. Hier hat mir das vollkommen gereicht, denn ich liebe den Prolog. Als ich diesen gelesen hatte, dachte ich nur: Wow, genau meins! Ich war wirklich beeindruckt. Ich liebe den Schreibstil, die gefühlt verschlungenen Worte, die Metaphern etc. Sehr viele zitatwürdige Sätze, wie man so schön sagen würde. Dadurch war das Buch sehr angenehm und flüssig zu lesen. Ich bin zwar kein Fan von Ich-Erzählern, das liegt aber an meinem persönlichen Geschmack. Was mich allerdings tatsächlich wahnsinnig gemacht hat stellenweise und was ab Mitte des Buches besser wurde, ist eine starke Verwendung von Ausrufezeichen. Meistens mithilfe von Aussagen, die das unterstreichen sollen, was die Person denkt oder fühlt. Wieder so, als wollte die Autorin sicher gehen, das alles genau so ankommt, wie sie sich das vorgestellt hat. Also das ist jetzt einfach nur als Beispiel, was so nicht in dem Buch vorkam: Eine Träne rann ihre Wange hinab. Sie war so traurig! Das mochte ich nicht so, da es meiner Meinung nach zu oft eingesetzt worden ist und mir daher schon ins Auge sprang.

Charaktere:

Kiki

Mit Kiki erlebte ich wirklich eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Mal mochte ich sie total, mal wollte ich mich am liebsten über sie aufregen. Auch hier wurde alles daran gesetzt, damit man sie mochte. Sie ist das typische unscheinbare Mädchen in der Schule, die Neue in der Klasse, die tollpatschig wie sonstwas ist, nur Turnschuhe trägt, bloß kein Schickimicki macht, nicht zu viel auf Kleidung gibt, ständig nur im Kapuzenpulli rumläuft und sich für die Außenseiter einsetzt. An sich war sie also durchaus sympathisch, auch wenn ihr mich da auch ein bisschen weniger von gewünscht hätte. Also dieses wie beschrieben tollpatschige, ganz normale Mädchen, dass nur mit Turnschuhen und Kaupuzenpulli rumläuft, soll sicherlich der Identifikation mit dem Leser dienen. Nur in manchen Aspekten, gerade auch im Umgang mit den beliebten Mädels fand ich es auch hier wieder ein bisschen zu offensichtlich, ein bisschen zu eindimensional. Etwa auch die Freundinnen bleiben die „zickigen, beliebten, Tussis, die sich nur was aus ihrem Aussehen und den Instagramlikes machen“. Das ist natürlich recht klischeevoll und mit Selena wird schon noch ein Charakter geschaffen, der da ein bisschen mehr Tiefe bereithält und versucht, zwischen diesen beiden Extremen einen Kompromiss zu schaffen. Ansonsten habe ich auch hier über ein zwei Handlungen aufgeregt, die ich nicht nachvollziehen konnte.

Zum einen die Szene, in der Kiki ein fremdes Grundstück betritt, auf das man definitiv nicht so einfach gehen sollte, weil es durch ein Tor abgegrenzt wird und dennoch geht sie einfach so auf das Grundstück und sieht sich um. Im Nachhinein ist dann zwar alles gut, aber das war etwas, wo ich die Handlung der Prota nicht nachvollziehen konnte, gerade weil sie eigentlich nach ihrem Hund sucht, der ihr davon gelaufen ist. Sie schaut sich also in aller Seelenruhe das Grundstück an, redet mit dem Love Interest, mit dem Glauben, dass sie ja jetzt schon genug nach dem Hund gesucht hat, und der sicherlich wieder auftaucht. Tat er dann auch, aber nun ja….Alleine schon die Tatsache, dass sie den Hund mitnahm, ohne Leine dann und nach draußen ging, ohne vorher nochmal zu fragen…..Aber gut.

Die zweite unverständliche Handlung erfolgte dann gegen Endes des Buches. Sie rennt mit Henry weg, ohne vorher nochmal Jason Bescheid zu geben, der sich die ganze Zeit sucht. Klar, in ihren Augen ist Jason der Bad Boy und Henry hat in der Szene ja nun wirklich ALLE Register gezogen, damit Jason die beiden nicht findet (dazu später mehr), aber dennoch fand ich es da echt unhöflich, dass sie mit Henry abhaut während Jason noch im Gebäude herumrennt und sie sucht. Aber wie gesagt, ich bin kein Fan vom Love Interest und je länger ich diese Rezi schreibe, desto deutlicher wird mir das.

Henry

Wie bereits erwähnt mochte ich Henry einfach nicht. Ich hatte definitiv Mitleid mit seinen Problemen, konnte mich in vielen Dingen wiederfinden und Kiki hat er an sich auch gut behandelt. Aber es gibt gewisse Handlungen, die ich hier zum einen nicht nachvollziehen konnte und zum anderen nicht leiden kann. Nicht nachvollziehen konnte ich Henrys Handlung, als er Kiki den Mund zu hält, um sie am Schreien zu hindern und sie in eine abgelegene Halle lockt und regelrecht mit ihr kämpft, bis sie still ist. Das war komplett unnötig und war vermutlich ein Element, um mehr Spannung zu erzeugen, da der Angriff aus Kikis Sicht erzählt wird. Er hätte sich auch nur dort hinstellen können, direkt den Zeigefinger an die Lippen und das so verdeutlichen, anstatt sie regelrecht zu überfallen, wo sie ihn doc wirklich gut kennt und sehr mag. Auch verschweigt er lieber Dinge, anstatt sie zu sagen, was Missverständnisse beseitigen könnte. Zum Beispiel gibt Henry Kiki eine Absage auf eine Frage, ohne ihr zu sagen warum. Dabei könnte er ihr genauso gut die Wahrheit sagen, tut dies aber nicht und Kiki denkt dadurch, dass seine Absage an ihr liegt und nicht wegen einem anderen Grund geschieht. Oder der beliebte Satz „ich bin nicht gut für sie, ich bin komisch, gefährlich, ich muss sie von mir fernhalten, also breche ich den Kontakt ab und ignoriere sie, ohne was zu sagen.“ Also auch wenn Henry seine guten Seiten hatte, hilfsbereit etc. und die beiden haben auch gut zusammen gepasst und sich gut ergänzt, verstanden sich etc., aber ich konnte mit ihm einfach nicht warm werden. Vielleicht aber auch, weil mein Herz zu sehr für Jason schlug und den konnte Henry nicht leiden 😀

Die Szene von Kiki und Henry im Klassenzimmer, wo er sie versucht zu ignorieren, hat mich übrigens an Edward und Bella aus Twillight erinnert. Auch mochte ich die Szene nicht, in der Henry Kiki einfach zu einer Band mitnimmt, die ihr bestimmt gefallen wird und tatsächlich, sie liebt die Band und das Lied wird zu ihrer absoluten Lieblingsband. Ich hätte den Konflikt da spannender gefunden, wenn sie seinen Musikgeschmack überhaupt nicht gemocht hätte und sie dann aber ihm zu liebe bleibt oder so. Einfach, weil die beiden doch SEHR ähnlich waren. Oder vielleicht bin ich auch einfach nur neidisch und wünsche mir, dass es tatsächlich mal jemanden gibt, mit dem man so viele Gemeinsamkeiten hat, wo es einfach auf Anhieb passt, so wie zwischen Kiki und Henry 😉

Jason

Wie auch hier bereits gesagt: der beste Charakter des ganzen Buches, ever! Ich muss dazu sagen, meine Schwester hatte das Buch zuvor gelesen und mir direkt zu verstehen gegeben: „wehe du bist nicht TeamJason!“. Obwohl im Buch selbst gar nicht die Rede von einem Love Triangel ist. Das hatte ich gehofft, aber trat nicht ein. Vielleicht ja für Band 2 😉 Jedenfalls ist Jason fast das ganze Buch über ein richtiges Arschloch, er ist gemein, unnötig beleidigend und man weiß als Leser gar nicht, was zur Hölle eigentlich sein Problem ist. Das hat mich richtig frustriert, weil ich wissen wollte, warum zur Hölle Jason so fies zu Kiki ist, obwohl sie noch nichts getan hat und sich die beiden eigentlich gar nicht kennen. Aber er behandelte sie wie ein böser Eindringling und war wie gesagt echt richtig fies. Kopfschüttelnd war ich verwirrt, denn wie gesagt am Anfang tat ich mich schwer mit ihm, mir fehlten seine Beweggründe oder eine andere Seite von ihm. Aber je stärker Henry positiv und je stärker Jason negativ charakterisiert wurde, desto mehr begann ich zu denken, dass Jason auch eine andere Seite haben muss. A la Bad Boy mit weichem Herz. Es gab dann urplötzlich eine Szene in der Jason einfach nur eine nette Geste macht und ich wusste sofort: TeamJason. Also wirklich nur eine Kleinigkeit (er streicht ihr eine Strähne aus dem Gesicht) und ab da freute ich mich jedes Mal, sobald das Wort Jason fiel. Warum er so war, wie er war und wie all seine Handlungen am Ende alle einen Sinn ergaben, einfach nur großartig gemacht! Bei jeder Kiki und Jason Szene jubelte ich und am Ende hätte ich fast vor Freude geheult, weil es mich so glücklich gemacht hat. Jason, der eigentlich Held der Geschichte (wie gesagt für mich) und noch dazu hatte das Ende einen mega geilen Plot Twist, den ich tatsächlich so im Detail nicht vorhergesehen hatte und mich noch glücklicher machte, weil ich es so wahnsinnig cool fand. Man konnte spüren, dass nichts dem Zufall überlassen wurde und das jede noch so kleine Handlung dem großen Finale entgegensteuerte und genau dafür gedacht gewesen ist. Ganz großes Kino. Der Ausblick auf Band 2 hat mir auch gefallen und ich freue mich jetzt schon, es zu lesen.

Noch zu Maggie: Ich fand sie in Ordnung, aber dafür war ihre Backstory umso interessanter. Die hätte glatt eine eigene Serie sein können.

Ganz egal, was ich von manchen Dingen oder Charakteren halte, das Buch ließ sich nach wie vor leicht und flüssig lesen, hat mich mitgerissen und ich bin sehr gespannt, wie sich die neue Dynamik in Band 2 entwickeln wird. Es klingt in jedem Fall sehr vielversprechend. Wären wir auf Amazon, so würde ich dem Buch 3 von 5 Sternen geben! 🙂

Habt ihr das Buch schon gelesen? Wen mochtet ihr, wen nicht so und welchen Kritikpunkten oder positiven Aspekten meiner Rezi könnt ihr zustimmen oder nicht nachvollziehen? 🙂