Hallo ihr Lieben,

dieser Beitrag bezieht sich auf mein Schreiben, aber vielleicht kann der ein oder andere auch was für sich herausziehen 😉 Da er sehr, sehr lang ist, unterteile ich die Abschnitte in Überschriften, dann könnt ihr leichter verfolgen, worum es geht. Momentan bereitet mir das Schreiben und das Arbeiten an meinem Schreibprojekt starke Probleme und heute will ich mit euch teilen, warum. Vielleicht kennt der ein oder andere das Gefühl und mein Problem auch, vielleicht kann man sich gegenseitig helfen. Meiner Meinung nach gibt es zwei Arten von Autoren: Diejenigen, die einfach schreiben, einfach durchziehen und ein Projekt nach dem anderen beenden. Einfach natürlich in Anführungszeichen, denn einfach ist das Schreiben bzw. Durchziehen in dem Sinne nie. Und dann gibt es diejenigen, die ständig ein neues Projekt anfangen, dieses meistens ab der Mitte wieder verwerfen, ein neues beginne, wieder Feuer und Flamme sind und es dann doch wieder abbrechen, usw. Ein ewiger Kreislauf also. Ich gehöre definitiv zu der zweiten Kategorie. Lass mich in den Kommentaren doch gerne wissen, zu welcher Kategorie du dich zählst! Ich möchte euch mal meinen Schreibprozess erläutern über die letzten Jahre:

2014/2015: Mondportal

Es müsste ungefähr so 2014, vielleicht auch 2015 gewesen sein, da habe ich Mondportal begonnen. Eine Urban Fantasy Geschichte mit 3 POV´s. Ich steckte viel Arbeit in die Charaktere, weniger in den Weltenbau. Dennoch war ich überzeugt von meiner Idee und schrieb das, wozu ich Lust hatte. Oder wie andere so gerne sagen: „Schreib das, was du selbst lesen möchtest!“ Gesagt getan, die ersten 50 000 Wörter wurden im Nanowrimo geschrieben. Dazu kamen noch weitere 10 000. Aber dann schickte ich schonmal etwas an Testleser, um zu schauen, ob das ganze so funktioniert. Es gab damals auch noch die Schreibwerkstatt, in der ich die ersten Kapitel online stellte und mir Feedback holte. Das fiel unterschiedlich aus. Aber das größte Problem: es gab Logiklücken und Plotprobleme. Die Welt war in sich nicht schlüssig und die Charaktere zu passiv. (es ging bei dem Projekt eben auch um die Frage, wie die Menschen sich verhalten, wenn sie nichts tun können). Mir wurde geraten, das komplette Projekt neu zu schreiben. Ich konnte es nicht. All die Arbeit, die ich rein gesteckt hatte, all die Worte, die bereits geflossen waren. Manche erhielten richtig viel Lob, ich wusste bereits, wie alles für die Charaktere enden würde und ein zweiter Band war auch schon in Aussicht. Aber wie gesagt, ich war viel zu demotiviert und enttäuscht von dem, was alles so nicht funktionierte, dass ich es abbrach und das Dokument nie wieder öffnete.

Vergessen habe ich es aber nie. Denn ich vergesse kein Projekt, keine Charaktere, keine Welt, die ich jemals entworfen habe. Sie sind alle in meinem Kopf fest verankert oder um es etwas dramatischer zu formulieren: sie sind alle fest in meinem Herzen.

2016/2017: Botin der Nacht

Dann kam 2016 und ich schrieb Botin der Nacht. Auch wieder im Nanowrimo, ich erreichte die 50 000 Wörter und ließ mein Projekt erstmal ruhen. Auch hier rührte ich mein Projekt erstmal nicht wieder an. Ich wusste nicht so recht, wie es weiter gehen sollte und befand mich erneut in meiner „das Geschrieben ist doch alles scheiße!“-Phase. ABER, und dann gelang mir etwas, was mir nur dieses eine Mal geling: ich setzte mich im März wieder an mein Projekt. Ich beschloss, dieses Projekt zu beenden. Denn die Charaktere und die Geschichte lag mir am Herzen und ich entdeckt, dass ich die Geschichte nutzen konnte, um meine persönlichen Probleme zu verarbeiten. Dazu gehörte u. a. Liebeskummer. Liebeskummer der aller schlimmsten Sorte, ein Gefühl, als würde einem das Herz raus gerissen. Gut nur, dass meine Prota der zwei Pov´s eine ähnlichen Liebeskummer hatte. Diese Parallele fiel mir aber erst sehr viel später auf. Eigentlich hatte ich nämlich eine epische Love Story mit Happy Ende geplant und merkte dann, dass das überhaupt nicht zu der Geschichte passte. Im April machte ich dann beim Camp Nano mit und beschloss, 50 000 Wörter zu schreiben. Diese würden mir noch fehlen zur Beendigung des Projektes und ich wollte es beenden, ich wollte es diesmal wirklich fertig schreiben. Es war hart, ich plottete mit Hilfe meiner Schwester und ich wollte es unbedingt, um jeden Preis. Die Charaktere und ihre Geschichte berührte mich zutiefst und nie fiel es mir schwerer, ein Ende unter die Geschichte zu setzten. Doch ich kann in die Geschichte nicht zurück, ein zweiter Band würde nur wenig Sinn machen. Höchstens Kurzgeschichten. Außerdem wäre das auch nur bedingt möglich, ich verrate allerdings nicht wieso, denn vielleicht veröffentliche ich die Geschichte Mal. Tatsächlich gibt es aber auch hier wieder sehr viele Schwächen, gerade der Anfang oder die Hälfte ist für mich sprachlich schlecht geschrieben und ich vermute, auch beim Plot und der Welt gibt es die ein oder anderen Probleme. Aber die Rohfassung ist beendet und das ist es, was zählt.

2017: Zeitwärts

Im November 2017 schrieb ich Zeitwärts. Ich wusste, dass ich ein Projekt beenden konnte und dieses sollte mein nächstes werden. Ihr könnt es euch bereits vorstellen: Pustekuchen. Ich schrieb damit den Nanowrimo, erreichte 50 000 Wörter und war viel zu unzufrieden mit meinem Schreibhandwerk. (es beinhaltete drei POV´s. Eine aus der Vergangenheit, eine aus der Gegenwart und eine Person aus der Zukunft. Aber mir fehlte wie gesagt die Erfahrung, diese unterschiedliche Zeiten sprachlich in den Dialogen der Charaktere rüber zu bringen. Noch heute berühren mich die Charaktere und deren Geschichte, denn Zeitwärts war und ist als Trilogie geplant. Ich hänge meistens immer am meisten an den Charakteren und ihrer Geschichte, ihrer Entwicklung und dann kommt die Welt. Doch auch dieses habe ich seit Dezember 2017 ruhen lassen und bis heute nicht wieder angerührt.

2018: Todesglück

Im November 2018 schrieb ich dann Todesglück. Hier schien alles anders. Spoiler Alert: Das Ende ist das Gleiche. Und dennoch: Es schien alles anders. Ich arbeitete absolut akribisch am Weltenbau und an den Charakteren. Es war eine Idee, die ich bereits vor ein Jahren hatte und nun wieder aufgriff. Sie war hochgradig dramatisch, also genau das Richtige für mich. Ich arbeitete an der Welt, erstellte Karten, bastelte wie immer die Cover und plante nicht nur den ersten Band, sondern behielt wieder das große Ganze im Auge, erneut sollte es eine Trilogie geben, erneut gab es drei POV´s, erneut handelte es sich um Urban Fantasy. Hier war in sofern alles anders, als das sich das Plotten anders abspielte als sonst und ich weiß immer noch nicht, ob das positiv oder negativ ist. Ich fing an zu plotten und während dessen hatte ich bereits die Szenen so lebhaft vor meinem Auge, dass ich die Szenen mit Dialog bereits aufschreiben konnte. Dadurch ergab sich schnell folgendes Problem: Ich hatte ein Sammelsurium an „fertigen Szenen“, losen Plotteilen und komplett leeren Stellen. Dieses extreme Ungleichgewicht machte sich beim Schreiben massiv bemerkbar. Ich hatte z. B. schon ganz genau den Mittelteil ausformuliert, immer stets die wichtigsten oder interessantesten Szenen und Dialoge, wusste ganz genau das Ende und wo die Reise hinging. Aber da zwischen gab es Stücke, die so leer waren, dass ich das Gefühl hatte, sie niemals stopfen zu können. Das heißt, auf der einen Seite hatte ich durch die bereits geschrieben Szenen das Gefühl, die Geschichte bereits fertig geschrieben und nicht nur geplottet zu haben und auf der anderen Seite wusste ich nicht, was ich schreiben sollte. Als hätte ich mir die besten Szenen rausgepickt und müsste jetzt die langweiligen Lücken stopfen, um zum Guten zu kommen. Verrückt, nicht wahr? Es machte mich wahnsinnig. Ich ging dazu über, gar nicht mehr zu plotten, weil es eben direkt ins Schreiben überzugehen schien. Dadurch fehlte mir während des Nanowrimos aber Plot, den ich behelfsmäßig irgendwie auffüllte. Ich schrieb wieder sehr schnell, korrigierte nichts und habe nun ein Dokument mit 50 000 Wörtern, die voller Rechtschreibfehler ist und bei dem ich nicht weiß, was in den nächsten Kapitel passieren soll. So extrem frustriert davon, dass ich diese Ambivalenz beim Plotten verspürte und so hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl, das ich meine Geschichte kenne und dem Wissen, dass ich doch wieder beim Weltenbau nicht genug gearbeitet hatte (ich hatte z. B. nicht bedacht, wie das mit Geld ist. Kann man Geld abholen? Wie kommt man an Geld?). All die intensive Arbeit zuvor fühlte sich nicht wertig an, als hätte sie nichts gebracht. Schweren Herzen legte ich es aufs Herz. Man muss vielleicht auch dazu sagen, dass Todesglück wie der Name auch schon verrät ein sehr schweres Buch ist. Das ist nichts, wo man gute Laune bekommt. Natürlich habe ich auch dort Humor und Liebe, aber es geht verstärkt um Tod und Angst, und das kann einen, wenn man ohnehin schon frustriert ist, runterziehen. Dennoch beinhaltet auch diese Geschichte Positive Glaubenssätze, aber eben erst mit der Zeit, zudem gibt es ein Magiesystem, dass gar nicht so einfach zum Beschreiben ist. Es zerreißt mich innerlich, all diese unfertigen Geschichten zu sehen, diese Schicksale der Charaktere, die mich ganz tief in meinem Inneren berühren.

2019: Glashaussaga

Jetzt ist es Januar 2019 und ich plotte an der Glashaussaga. Diesmal handelt es sich nicht um mehrere POV, sondern um nur eine Perspektivfigur. Diesmal ist das Genre nicht Fantasy, sondern gänzlich non-fantasy. Es geht nur sehr langsam vorwärts. Ich mache stets was, aber das sind mehr so Prokrastinationen. Ich mache z. B. Moodboards, also so Collagen für die Charaktere, anstelle Charakterfragen zu beantworten. Versteht ihr, was ich meine? Ich drücke mich vor dem schwierigem Teil. Ich habe auch bereits angefangen zu plotten und kann wieder nicht genau beantworten, wie was warum wann passieren soll. Ich tue mich auch hier etwas schwerer, denn es ist viele Jahre her, dass ich keine Fantasy geschrieben habe. Mir fehlt ein wenig das Fantastische, das Magische, das Dramatische. Es wirkt so langweilig, obwohl ich weiß, und ja dafür sorgen kann, dass es das nicht ist. Und doch ist dieses Projekt eines meiner Herzensprojekte, ich wollte das Thema schon so verdammt lange schreiben und gerade deswegen will ich alles richtig machen. Gerade hier könnte ich mir auch eine Veröffentlichung vorstellen. Die Glashaussaga ist auch das Projekt, welches am positivsten, am leichtesten ist, denn ich neige ja dazu, sehr schwerer Projekte zu schreiben. Ich hoffe, ihr wisst, was ich damit meine. Aber ich sitze da und spüre, wie etwas nicht ganz rund läuft. Meine Gedanken kreisen ständig zu all den Charakteren, all den Welten, die erschaffen habe und fallen ließ, wenn es schwierig wurde. All den Optimismus, den ich bei Todesglück hatte, dass ich es jetzt endlich wieder schaffen würde, ein Projekt zu beenden, weil dort alles anders war. Und doch kannte ich mich wieder nicht gut genug. Ich scheitere und scheitere und dieses Gefühl, dass ich bei Botin der Nacht hatte, diesen unbändigen Willen, das Projekt zu Ende zu schreiben, hatte ich seitdem nicht mehr stark genug. Ich habe wirklich versucht, in mich hinein zu fühlen und zu schauen, was ich will, was ich kann und wie es jetzt weiter gehen soll. Aber ich weiß es nicht. Mein Ziel war und ist es, Band 1 von 5 der Glashaussaga in 2019 fertig zu schreiben. Man muss ja auch bedenken, dass es sich immer nur die Rohfassungen handelt. Die etlichen Überbearbeitungsrunden kommen dann ja noch, oh boy! Ich will mich nicht ständig entmutigen lassen, will nicht ständig meiner Angst nachgeben. Im Zuge eines anderen Themas sagte mir eine Bekannte mal: „Du bist stärker, als deine Angst!“ Momentan bin ich mir dabei leider nicht so sicher. Mir fehlt die Leidenschaft, das Selbstvertrauen und den Glauben an mich und meine Geschichte. Natürlich könnte ich auch Todesglück und die Glashaussaga parallel schreiben, aber ob das funktioniert weiß ich nicht. An all diesen Projekten hängen so viele Erinnerungen, so viel Enttäuschung, so viele verlorene Hoffnungen. Und jetzt sitze ich hier und weiß eigentlich gar nicht, was nach diesem ewig langem Beitrag mein Fazit ist, mein Ausblick auf die Zukunft. Die Krux ist: Ich habe keinen. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Puh, jetzt habe ich euch lange vollgequaselt, aber jeder Autor wird verstehen, wie viel Herzblut in jedem einzelnen Projekt, in jedem einzelnen Wort und Charakter steckt, egal, ob beendet oder nicht.

Also wenn ihr Tipps für mich habt oder Erfahrungen, wie ich das gehandhabt hat, schreibt es mir bitte gerne in die Kommentare! Ich würde mich sehr freuen 🙂