Hallo ihr Lieben,

es ist mal wieder Zeit für eine Buchrezension 🙂

dieses Mal geht es wieder um ein Buch, welches ich eher zufällig gefunden habe und nicht zu meinem „normalen Genre“ zählt. Aber ich finde, gerade bei Büchern lohnt es sich manchmal, einfach etwas neues zu wagen, ungeahntes zu entdecken und zu probieren! Was bietet sich dafür besser an, als Kurzgeschichten, genauer gesagt ein Sammelband mit insgesamt 20 Kurzgeschichten?

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Das Cover

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Ich bin ja ein sehr großer Fan von schönen Covern! Nicht umsonst hat sich der Drachenmondverlag zu einem meiner Lieblingsverlage gemausert 😉 Dieses Cover ist anders als die sonst so von schönen Frauen, Schnörkeln und Glitzerpartikeln verzierten märchenhaften Covern! Aber wie ihr im Laufe der Rezi feststellen werdet: ich mag anders, manchmal ist anders sogar sehr gut.

Auf den ersten Blick war mir das Cover zu wirr, aber bei weiterem Hinsehen macht es durchaus Sinn und besticht durch die Farbkombi und die Zeichnung.

Preis-Leistungsverhältnis

Im ersten Augenblick erscheint der Preis für ein E-Book was schon teuer. Mensch, 5 Euro, wo doch heutzutage 0,99 oder 1,99 schneller Trend ist. Aber mal ehrlich, ob ich jetzt zwei Euro oder fünf Euro zahle, macht das wirklich einen so großen Unterschied? Dadurch das ich selbst Geschichten schreibe, weiß ich, wie wahnsinnig viel Arbeit solch ein Buch ist, daher kommt es mir auf ein paar Euro mehr oder weniger in einem solchen Bereich nicht an. Natürlich braucht man dafür auch eine gewisse Seitenzahl, ich will für mein Geld auch was bekommen. Aber wo kommen wir hin, wenn alles nur noch umsonst verkauft wird, wenn wir uns wie auf dem Flohmarkt befinden, wo nichts günstig genug sein kann? Ich gebe allerdings zu, ich kaufe selten Bücher (also normale Romane) über 20 Euro.

Schreibstil

Der Schreibstil ist auf der einen Seite wiederkehrend und anderseits erstaunlich abwechslungsreich. Das mag sicherlich dadurch begünstigt sein, dass die Geschichten in einem Zeitraum von 15 Jahren entstanden sind. Das mindert nicht die Qualität der „älteren“ Geschichten, aber es lässt sich meiner Meinung nach schon feine Unterschiede erkennen. Mal wirkt der Autor weicher, dann wieder härter. Aber sicherlich mag das auch Inhalten und Charakteren zu Gute kommen 😉

Plot Twists, Spannung, Abwechslung:

Mit das Wichtigste, was es hier zu erwähnen gibt: Nimmt mich das Buch mit? Lässt es mich nicht mehr los, wenn ich schlafen geh? Spuken die Geschichten und die Charaktere in meinem Kopf herum, obgleich ich die Augen schließe? Lässt es mich mit aufgeklappter Kinnlade zurück, mich meinen Bus verpassen und bringt mich um meinen Schlaf? Da kann ich alles mit einem klaren JA beantworten und genau das hat mich auch so umgehauen. Ich hatte niemals erwartet gehabt, als ich das Buch in die Hand nahm frei nach dem Motto „ach kann man ja mal probieren“, dass es mich so umhauen würde. Ich habe bei manchen Geschichten fast geweint, was mir lange nicht mehr passiert ist. Kennt ihr das, wenn euch eine Schauer über den Rücken läuft, weil ihr gerade den ultimativen Plot twist realisiert und nicht glauben könnt, was ihr da lest? Ich weiß, ich tease euch gerade ein bisschen, aber ich meine das wirklich so. Die Bücherwelt ist nachwievor voll von vorhersehbaren Klichees und gängigen Tropes und Mädels, die sich in den heißen, unnahbaren, kalten Fremden verlieben, der ja eigentlich voll das Arschloch ist, aber eigentlich ja auch nicht, sonst wäre er ja schließlich nicht der Traumprinz, dessen Liebe zum Mädel über den Tod und über das Schicksal und alle Götter dieser Welt und jener die noch kommen werden, hinausgeht. Ihr seht, dieses spezielle Klischee bringt mein Blut zum Wallen 😀

Was ich damit eigentlich sagen will: das Buch hat mich ein paar Mal, wenn sicherlich auch nicht immer, überrascht mit Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hatte und das empfinde ich als selten.

Eine weitere Besonderheit möchte ich noch kurz hervorheben, auch wenn sie auf dem Klappentext bereits deutlich wird: man hat tatsächlich 20 Kurzgeschichten aus je einem anderen Genre. Das heißt für jeden ist was dabei und solch eine Vielfalt ist mir selten begegnet. Ich will das Buch jetzt auch nicht in den Himmel loben, es hat ja schließlich auch seine Schwächen. Aber ich finde das Konzept einfach sehr interessant. Sicherlich, nicht jedes Genre ist meins und manche Genres hätte ich nie gelesen von selbst aus, aber man hat so viele Facetten dadurch drin, dass es wirklich sehr entspannt ist zu lesen. Anders als bei festgelegten Romance-Fantasybüchern, die dann wirklich auch nur eine übliche Schiene fahren. Tatsache ist auch, dass ich lange keine Kurzgeschichten mehr gelesen habe, dabei sollte man das eigentlich viel öfters tun! Man kann mal eben so abends was lesen, es zieht sich nicht so in der Mitte und man weiß, wenn es einem nicht gefällt, wechselt man.

Ich habe jede Geschichte angefangen und auch jede Geschichte beendet, und möchte daher kurz was zu den Geschichten zu sagen, wie ich sie empfunden habe und zwar diesmal OHNE Spoiler 😉

Geschichten im einzelnen:

  1. Herzblatt: süße Geschichte für den Anfang. Erinnert mich an Storylines aus GZSZ, ansonsten besteht eine Harmonie aus Andeutungen und dennoch einem runden Ganzen.
  2. Suyzyx: am Anfang tat ich mich schwer, in die völlig neue Welt einzutauchen, aber das legt sich schnell, denn der Autor schafft es wieder einmal, das man in kurzer Zeit mit dem Prota mitfühlt.
  3. Besuchszeit: ein Krimi, wie er auch heute im Tatort laufen könnte mit unvorhersehbaren Wendungen.
  4. Schwesterchen: leider konnte ich mit dieser Geschichte nicht ganz so viel anfangen.
  5. Revolution bei Tisch: auch diese Geschichte war nicht so meins. Ihr kennt das sicherlich, manchmal trifft es den Geschmack und es macht Klick, und manchmal eben nicht. 😉
  6. Mehr als nur ein neuer Anzug: witzig, authentisch, aus dem Leben gegriffen sozusagen. Über die Romanceanteile lässt sich streiten, so oder so war das Ehepaar klasse.
  7. Fühllos: das Ende. Ich sage nur das Ende. Gänsehaut bis heute und auf einmal macht alles einen Sinn.
  8. Das Arschloch: etwas klischeehaftes oder eher zu erwartendes Ende, aber dafür sehr schnell zu lesen bzw einfach eine nette Entspannung zwischen den etwas ernsteren Geschichten.
  9. Für einen Moment: mir wurde mein Herz gebrochen. Ich saß da und war erstmal zu perplex, um weiterzulesen. Selten hat mich eine Wendung  so innerlich verletzt und aufgeregt, weil ich so mitgenommen wurde. Ich habe das Buch förmlich angeschrien.
  10. Scheinwelt: ich habe mich beim Ende köstlich amüsiert, total raffiniert und authentisch! Würde sich gut als Serie a la Desperate Housewifes machen! Eine Nachbarschaft, in der jeder glaubt, alles über den anderen zu wissen. Man fiebert wirklich mit einer Welt voller Intrigen und wird am Ende doch überrascht.
  11. Suyzyx II: ich saß da als Leser, und wollte was tun, wollte helfen und einschreiten, doch man ist machtlos, und fragt sich, ob so einst wirklich die Zukunft aussehen wird. Zudem bekam ich ein paar Hunger Games vibes.
  12. Der Referendar: ganz süße Geschichte, kommt ohne zu viel Negativität oder Drama aus, schön entspannend dazwischen.
  13. Scheiße passiert: obwohl ein sehr brisantes und hochaktuelles Thema, kam ich nicht so ganz in den Schreibstil hinein. Inhaltlich eine wichtige Message, hat mich aber nicht umgehauen. (Was sicherlich auch daran liegt, dass ich Jodi Picouts 19 Minuten gelesen habe, das vom gleichen Thema handelt)
  14. Geschlossene Gesellschaft: definitiv eine Satire, man braucht meiner Meinung nach den passenden Humor dafür und muss sich darauf einlassen können. Ist dennoch ganz entspannt zu lesen und regt zum Schmunzeln an.
  15. Der Schattenwall: ich hatte schon eine Vermutung bezüglich des Endes, und dennoch hat es mich getroffen. Eine sehr zusammenhängende Fantasygeschichte, die einen erneut zeigt, wie das Leben so spielt.
  16. Zuhause: mein Geschmack war es nicht so ganz, man fragt sich, was das für ein Leben sein muss und das hat mich traurig gemacht.
  17. Serafino: die Geschichte habe ich mir als Letzte aufgehoben, weil ich dort zu anfangs skeptisch war wegen der Dichtung. Dennoch kam ich schnell rein, meine Zweifel flogen weg durch die interessante Story.
  18. Kleiner Exkurs: auch zur Abwechslung eher süße Geschichte, ich saß klatschend und nickend vor dem Buch, weil es so realitätsnah ist. Ob das Ende realistisch ist, weiß ich nicht, ich lasse es mal so stehen.
  19. C-R-U-E-L: was erwartet man wohl von einer Geschichte, die so einen Titel trägt? Lasst euch eines gesagt sein: Am Ende saß ich da und habe den Atem angehalten. Ich habe das Gefühl, die Geschichte geht am stärksten von allen ganz tief in die Psyche des Menschen ein und wie ein Traumata eine Person für immer verändert. Sehr bewegend.
  20. Einer heult am Ende immer: sarkastisch und nah am Ende von zwei verkaterten Studenten, zum Schmunzeln! Ein passender und runder Abschluss!

Meine Top 6 Favoriten sind also, in genau dieser Reihenfolge:

  • Fühllos
  • C-R-U-E-L
  • Für einen Moment
  • Scheinwelt
  • Suyzyx I und II
  • Schattenwall

Fazit:

Ich hatte ganz vergessen zu erwähnen, dass es sich dabei um einen Gay-roman handelt unter anderem 😀 Jedenfalls ist das mit dem Schwulsein einfach so als Anteil drin, es drängt sich meiner Meinung nach nicht zu übermäßig in den Vordergrund und der Plot steht über dem Geschlecht. Natürlich entspricht alles wie gesagt nur meinem persönlichen Geschmack und subjektivem Empfinden, also macht euch selbst ein Bild!

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